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Tab. 1: Klassifizierung des Brandverhaltens von Baustoffen nach DIN 4102 / DIN EN 13501

Tab. 2: Bauaufsichtliche Bezeichnungen der Feuerwiderstandsklassen von Bauteilen

Abb. 1: Wandkonstruktion mit WDVS GUTEX Thermowall, AbP P-SAC-02/III-770

26.11.2018

Brandschutz mit brennbaren Bauprodukten

Baurecht schützt Leib und Leben

Kein Bereich wird so umfassend und restriktiv durch die Bauaufsicht geregelt wie der Brandschutz.
Kein Wunder, geht es doch im Falle eines Feuerausbruchs um Leib und Leben der Bewohner – und der Feuerwehrleute als helfende Einsatzkräfte!
Das Baurecht, bestehend aus den Landesbauordnungen (LBO) und den dazugehörigen Landesverwaltungsvorschriften Technische Baubestimmungen (LVV TB),
setzt daher insbesondere für größere und höhere Gebäude hohe Anforderungen an den Brandschutz, zumal wenn brennbare Bauprodukte zum Einsatz kommen sollen.1 
Die betreffenden Anforderungen werden über folgende Baustoff- und Bauteil-Kennwerte definiert:

  • Baustoffe - Brandverhalten
  • Entflammbarkeit
  • Rauchentwicklung
  • Brennendes Abtropfen/Abfallen
  • Baustoffe - Glimmverhalten (kontinuierliches Schwelen)
  • Bauteile – Feuerwiderstandsklassen
  • Feuerhemmend
  • Hochfeuerhemmend
  • Feuerbeständig

 

Anforderungen an Baustoffe – Brandverhalten

Tabelle 1 zeigt in einer Übersicht sämtliche Klassifizierungen des Brandverhaltens von Baustoffen,
sowohl die nationale Klassifizierung nach DIN 4102 als auch die europäische nach DIN EN 13501.

Entflammbarkeit

Die Entflammbarkeit ist ein Maß dafür, wie leicht sich ein Material entzündet. Sie beschreibt dieEntzündbarkeit,
Flammausbreitung und Wärmefreisetzung eines Baustoffs. Druckfeste GUTEX-Holzfaserdämmplatten,
die flexible Holzfaserdämmmatte „GUTEX Thermoflex®“ und die Einblasdämmung „GUTEX Thermofibre®“ sind wie folgt eingestuft:
E nach DIN EN 13501 (entspricht der Klasse B2 nach DIN 4102)

Brandnebenerscheinungen nach DIN EN 13501:

Rauchentwicklung (smoke)

  • s1 keine/kaum
  • s2 begrenzte
  • s3 unbeschränkte

Brennendes Abtropfen/Abfallen (droplets)

  • d0 kein
  • d1 kurzzeitiges
  • d2 anhaltendes

Rauchentwicklung

Die Rauchentwicklung wird nach DIN EN 13501 als Brandnebenerscheinung erfasst. Sie ist im Brandfall maßgeblich für die Gefährdung der Nutzer und der Feuerwehr und daher sehr bedeutsam.In Anlehnung an die englische Übersetzung „smoke“ wird sie nach s-Klassen bewertet:Normale Holzfaserdämmprodukte erreichen eine Einstufung in die Klassen s1 oder s2. Das GUTEX Thermowall® WDVS erreicht nach ETA-Prüfung im System eine Einstufung in:

  • s1 - keine/kaum Rauchentwicklung

Brennendes Abtropfen/Abfallen

Nach DIN EN 13501 wird das Brennende Abtropfen/Abfallen – englisch: droplets - ebenfalls als Brandnebenerscheinung erfasst. Das Brennende Abtropfen/Abfallen wird nach d-Klassen bewertet.
Normale Holzfaserdämmprodukte erreichen eine Einstufung in die Klasse „d0“.

  • d0 - kein Abtropfen/Abfallen

 

Anforderungen an Baustoffe – Glimmverhalten

Mit dem Glimmverhalten, dem sog. „kontinuierlichen Schwelen“, umschreibt man eine unvollständige Verbrennung bei ungenügender Sauerstoffzufuhr und einer typischen Temperaturerhöhung.
Das Schwelverhalten eines Bauprodukts ist von hoher Bedeutung, da man verhindern muss, dass z. B. ein bereits gelöschter Brand über Schwelprozesse zu einem späteren Zeitpunkt wieder in Gang gesetzt wird.
Die Klassifizierung erfolgt nach DIN EN 16733 nach den beiden Einstufungen:

  • Glimmt
  • Glimmt nicht

Die Beurteilung kann über drei Methoden erfolgen:
Makroskopische Beurteilung des beflammten Prüfkörpers nach 15 Minuten Brandeinwirkung

  • Temperaturkriterium1:
    Alle 6 Messfühler weisen 6 Stunden nach Brandeinwirkung weniger als 50 °C aus.
  • Temperaturkriterium2:
    Der am weitesten entfernt liegende Messfühler darf nach 15 Minuten 250 °C nicht überschreiten.

Druckfeste GUTEX-Holzfaserdämmplatten, die flexible Holzfaserdämmmatte „GUTEX Thermoflex®“ und die Einblasdämmung „GUTEX Thermofibre®“ glimmen und würden nach DIN EN 16733 wie folgt eingestuft werden: 2

  • Glimmt (nach DIN EN 16733)

 

Anforderungen an Bauteile – Feuerwiderstandsklasse

Je nach Höhe des Gebäudes (Gebäudeklasse) sowie Bedeutung eines Bauteils im Hinblick auf Statik, Brandexposition und Funktion (z. B. als Rettungsweg) definiert die Bauaufsicht verschiedene Anforderungen an den Feuerwiderstand eines Bauteils. Tabelle 2 zeigt in einer Übersicht sämtliche Klassifizierungen des Brandverhaltens von Bauteilen, sowohl die nationale Klassifizierung nach DIN 4102 als auch die europäische nach DIN EN 13501. Es kommt auf das Zusammenspiel sämtlicher am Aufbau eines Bauteils eingesetzten Bau- und Dämmstoff an inkl. der auszubildenden Anschlüsse.

 

 

Feuerhemmend

Die bauaufsichtliche Anforderung „feuerhemmend“ an ein Bauteil impliziert, dass das betreffende Bauteil einen Feuerwiderstand von mindestens 30 Minuten aufweisen muss. Diese Anforderung kann auch mit Bauteilen erreicht werden, bei denen sowohl die tragenden und aussteifenden Teile als auch die Bekleidungen aus brennbaren Baustoffen bestehen.

  •  F30 nach DIN 4102 bzw. MBO / EI30, REI30 nach DIN EN 13501

 

 

Hochfeuerhemmend

Die bauaufsichtliche Anforderung „hochfeuerhemmend“ an ein Bauteil impliziert, dass das betreffende Bauteil einen Feuerwiderstand von mindestens 60 Minuten aufweisen muss. Diese Anforderung kann nur mit Bauteilen erreicht werden, bei denen mindestens die brandschutztechnische Bekleidung aus nichtbrennbaren Baustoffen besteht.

  • F60 nach DIN 4102 bzw. MBO / EI60, REI60 nach DIN EN 13501

 

Feuerbeständig

Die bauaufsichtliche Anforderung „feuerbeständig“ an ein Bauteil impliziert, dass das betreffende Bauteil einen Feuerwiderstand von mindestens 90 Minuten aufweisen muss. Diese Anforderung kann nur mit Bauteilen erreicht werden, bei denen mindestens die brandschutztechnisch wirksame Bekleidung aus nichtbrennbaren Baustoffen besteht.

  • F90 nach DIN 4102 bzw. MBO / EI90, REI90 nach DIN EN 13501

 

 

Hohe Feuerwiderstandsdauer mit GUTEX WDVS

Die Außenwandkonstruktion mit GUTEX Thermowall® WDVS und Gefachdämmung aus GUTEX Thermoflex® 3 (Abb. 1) erreicht die Klassifizierung REI 90. Wenn nur die Anforderung an einen Feuerwiderstand von 60 Minuten zu erfüllen ist, kann in diesem Fall die Dicke der WDVS-Holzfaserdämmplatte von 80 auf 60 mm oder das Ständerwerk inkl. Gefachdämmung von 160 auf 140 mm reduziert werden. Eine gutachterliche Stellungnahme der MFPA-Leipzig zeigt eine Vielzahl möglicher Varianten mit GUTEX Holzfaserdämmprodukten, gestaffelt nach den Feuerwiderstandsdauern 30, 60 und 90 Minuten auf. Die Buchstabenfolge der europäischen Klassifizierung bringt zum Ausdruck, dass diese Konstruktion bei Brandeinwirkung die vollständige Schutzfunktion – die Tragfähigkeit (Résistance), den Raumabschluss (Etanchéité) und den Wärmeschutz gegen Brandeinwirkung (Isolation) - mehr als 90 Minuten aufrechterhalten kann.

 

 

Vorteile Holzfaser ggü. konventionellen Dämmstoffen

  • Ein wesentlicher Vorteil der Holzfaser in brandschutztechnischer Hinsicht liegt in ihrer besonders hohen Wärmespeicherfähigkeit. Damit kann sie sowohl als Gefachdämmstoff als auch WDVS-Trägerplatte einen viel höheren Beitrag dazu leisten, den hohen Wärmedurchgang von der Brandseite auf die zu schützende Wohnraumseite zu beschränken bzw. zu bremsen.
  • Zudem verfügen alle Holz- und Holzfaserdämmprodukte über den naturgegebenen Selbstschutzmechanismus der Verkohlung. Sie bilden eine Verkohlungsschicht an der Oberfläche aus, die den weiteren Branddurchgang wirksam hemmt und damit das Zeitfenster für die Rettung der Bewohner deutlich erweitert. Feuerwehren schätzen den Vorteil, dass sie die verbleibende Trag- und Schutzfunktion sehr gut einschätzen können.
  • Hölzerne Bau- und Dämmstoffe zeichnen sich durch eine verhältnismäßig geringe Schadstoff- und Rauchentwicklung im Brandfall aus. Hochtoxische Schadstoffe, die man bei anderen Dämmstoffen einkalkulieren muss, sind bei Holzprodukten auszuschließen.

 

 

Holzfaser in Gebäudeklasse 4 oder 5 – geht das?

JEIN. Die meisten Landesbauordnungen lassen einen Einsatz zu, verbinden den Einsatz aber mit Auflagen wie z.B. gesonderte Brandschutzgutachten oder konstruktive Zusatzmaßnahmen.

Wo liegt das Problem? Das deutsche Baurecht stellt übergeordnete Anforderungen an das Glimmverhalten von Baustoffen und Bauteilen: Die MVV TB führen unter A2.1.2.1 aus4:

Bei baulichen Anlagen oder Teilen von baulichen Anlagen, bei denen die Anforderungen nichtbrennbar oder schwerentflammbar gestellt werden, ist sicherzustellen, dass es nicht durch unbemerktes fortschreitendes Glimmen und/oder Schwelen zu einer Brandausbreitung kommen kann.

Diese Anforderung hat es in sich. Für Planer und Verarbeiter bedeutet das im Klartext:

  • Das Kriterium „schwer entflammbar“ allein hilft nicht weiter!
  • Nur in Verbindung mit der Einstufung „Glimmt nicht“ wird dem Baurecht ohne Abweichung mit Sonderauflagen genügt!


Die brandschutztechnisch „perfekte“ Holzfaserdämmung wäre…

  • schwer entflammbar: B oder C nach DIN EN 13501 (entspricht der Klasse B1 nach DIN 4102)
  • keine/kaum Rauchentwicklung: s1
  • kein Abtropfen/Abfallen: d0 und…
  • kein Glimmen (nach DIN EN 16733)
  • Damit könnten einfache Nachweise für die Anwendung in den Gebäudeklassen 4/5 geführt werden!
  • Bis heute existiert kein Nachweis über eine solche „perfekte“ Holzfaserdämmung!

  1. Die Musterbauordnung (MBO) und die Muster-Verwaltungsvorschriften Technische Baubestimmungen (MVV TB) stellen kein Baurecht dar. Sie dienen den Bundesländern lediglich zur Orientierung.
  2. Es existiert bis heute kein Holzfaserdämmprodukt, welches die Einstufung „Glimmt nicht“ erreicht.
  3. Der Dämmstoff „GUTEX Thermoflex®“ ist als „normal entflammbar“ eingestuft. Je nach Anwendungsfall kann die baurechtliche Vorgabe lauten, dass „schwer entflammbare“ oder „nichtbrennbare“ Dämmstoffe einzusetzen sind.
  4. Exemplarisch für ähnlich- oder gleichlautende Regelungen in den einzelnen LBOs und LVV TBs sind hier die Reglungen der MBO und MVV TB zitiert.